Woran erkenne ich einen kompetenten Anbieter?

Oder warum Superlative immer mit Vorsicht zu beurteilen sind!

Eine schwierige Frage, die aus der Sicht der evtl. hier kritisierten Anbieter ganz anders gesehen wird. Aus meiner Sicht ist immer Vorsicht geboten, wenn die Anbieter inflationär mit Superlativen um sich werfen. Hinter den selbsternannten “Marktführern”, “Herstellern”, “Deutschlands Nummer Einsen”, “beliebten oder beliebtesten Tunings in Deutschland” oder “Erfahrungsberichten zufriedener Kunden” steckt oft nur eine kleine Bude deren Assets sich auf das Betreiben einer Internetseite oder die Kenntnisse einer im Pushen von Suchergebnissen bei Google bewanderten Agentur beschränkt. Es kann nie schaden sich bei Google Maps die Adresse etwas genauer anzugucken. Ist der Anbieter in einem Wohnhaus in Klein Kleckersdorf beheimatet und das ganze Drumherum macht eher keinen “gewerblichen Eindruck” wird es einer der zahllosen Welttuner sein, der sein Imperium aus dem Hobbyraum bei Mutti betreibt. Bevor jetzt der Eindruck entsteht ich hätte etwas gegen kleine Anbieter, weit gefehlt mir gehen nur die ganzen Wellenschläger ohne Fachwissen und Hintergrund auf die Ketten.

Finden sich auf den Internetseiten keine Produktabbildungen oder Bilder von der Firma, die sich auch halbwegs glaubhaft mit den Textinhalten verbinden lassen, ist es eher unwahrscheinlich, dass hier tatsächliche Produkte aus eigener Produktion angeboten werden. Entwicklung von Hard- und Software gibt es nicht zum Nulltarif. Die Elektronik der Fahrzeuge ist heute schon recht komplex und erfordert ein nicht unerhebliches Maß an Fachwissen, um zu vernünftig funktionierenden Produkten zu gelangen. Gerade bei den Zusatzsteuergeräten ist die Wahrscheinlichkeit recht gering auf einen echten Entwickler und Hersteller zu treffen, denn davon gibt es kaum mehr als “eine Hand voll” in Deutschland. Was ist eigentlich los in unserer Branche – jeder meint er müsse sich als Hersteller präsentieren? Es ist doch in keiner Weise herabsetzend, wenn man sich “nur” als Händler betätigt. Viele glauben wohl nicht wichtig genug zu sein, wenn sie sich “nur” als Fachhändler bezeichnen. Leider entsprechen die angebotenen Geräte oftmals nicht den vollmundigen Werbetexten. Würde mancher Anbieter die Ergebnisse seines Schaffens jemals auf einem Oszilloskop gesehen haben, gäbe es bestimmt nicht so viele grauenvolle Abhandlungen zum Thema “digital”, “neuste Software” oder so und soviel “Kennfeldanpassungen” pro Sekunde. Es würde bestimmt nicht schaden, wenn man sich schon jemals so eine Sensorkennlinie im Original angeschaut hätte.

Skeptisch darf man auch ruhig sein, wenn eine Mehrleistung von 30% oder sogar noch mehr versprochen wird. Das ist weder sinnvoll noch teilweise überhaupt technisch möglich – und schon gar nicht für 100 Euro. Was bei einer Kennfeldänderung noch klappen mag (wenn auch riskant) ist mit einem Zusatzsteuergerät garantiert nicht möglich. So etwas mag zu Zeiten von EDC15 noch erreichbar gewesen sein, aber bei den heute aktuellen Steuergeräten ist das Traumtänzerei. Die Veränderungen einzelner Sensorenparameter sind teilweise nur noch so marginal möglich, dass man genug zu tun hat überhaupt eine spürbare Mehrleistung zu generieren. Man braucht einfach nur mal zu gucken, wie sich schon in Serie in den letzten 5 Jahren z.B. die Einspritzdrücke erhöht haben. Aus meiner Sicht wird hier ganz klar versucht, über das Anbieten der möglichst höchsten Leistung zum kleinsten Preis, die Kunden zu locken. Und sind wir mal ehrlich in Zeiten von “Geiz ist geil” und einen auf “dicke Hose machen” klappt das auch gut. Warum für magere 15% Mehrleistung 500 Tacken bezahlen, wenn es für “nen Hunni” 30% und mehr bei den diversen “Weltmarktführern” gibt. Deutschland ist leider zu großen Teilen ein Volk von Schnäppchenjägern und Billigbockern geworden. Schon mal daran gedacht, dass seriöse Anbieter so Dinge wie z.B. Bauteilbelastung, Arbeitsdruck, Maximaldruck (sollte der Anbieter aus den Datenblättern der Sensoren kennen) und Auswirkungen auf die Peripherie (Kraftübertragung/Antriebsstrang) in Ihre Entwicklung mit einbeziehen und daher zu relativ konservativen Ergebnissen kommen? Wer sein Chiptuning im Wesentlichen nach der maximal angebotenen Leistung zum kleinsten Preis aussucht, wird mit Sicherheit nicht bekommen was man ihm versprochen hat.

Wenn es also überhaupt eine Empfehlung geben kann dann die, sein Tuning nicht nur nach der maximalen Leistungsausbeute auszusuchen. Im Zweifel kann es nicht schaden dem Betrieb einen Besuch abzustatten. Dann kann man zumindest erkennen, ob es sich nur um eine Website oder tatsächlich um eine Firma handelt und ob deren Hauptgeschäftsfeld auch tatsächlich auf das Thema Chiptuning ausgelegt ist.